Jürgen Schwarz Blum

   ∧∧
   ||    /   
======:-)    
   ||    \   
   ∨∨  

Gedanken ...

RSS   Gedanken   Sprache   Krise   Zukunft   2018   2019   2020   2021

... zum Weltgeschehen oder auch weniger Schwergewichtigen –
allerdings: kann auch etwas außerhalb der Welt geschehen?
Oder geschieht alles, wenn es denn geschieht, in der Welt
und somit als Teil des Weltgeschehens?

Der Euro und seine große Zukunft

Datum 11.07.2018

Heute möchte ich über meine Zukunftsvisionen sprechen. Sie sind so visionär, dass sie nicht mehr auf einen Bierdeckel passen. Abgesehen davon habe ich so etwas nicht. Daher schreibe ich lieber gleich ein wenig mehr. Denn es geht um die Zukunftsperspektive des Euros.

Bei der Entwicklung des Euros kann man sich natürlich weit aus dem Fenster legen, aber keine Panik -- es geschieht ja nur virtuell. Darüber, dass diese Währung keinen richtigen Namen hat -- "Euro" ist schließlich ein Präfix und nicht ein vollständiges Wort, es müsste also eher "Eurodollar", "Eurodukaten" oder ähnlich heißen --, darüber möchte ich diesmal nicht sprechen.

Auch die Stabilitätskriterien sollen kein Thema sein -- für die Politik und vielleicht die Zentralbanken sind sie es schließlich auch nicht. Na gut, eine Bemerkung trotzdem hierzu: Erinnern Sie sich? Was soll geschehen, fragte man sich zur Einführung des Euros, wenn in einem der Länder die Stabilitätskriterien nicht mehr erfüllt werden? Geldstrafen ... für jemanden, der gerade eben kein Geld hat. Dies wirkte schon damals eher wie ein Papiertiger. Die Staatsverschuldung sollte ja nicht mehr als 70% der Wirtschaftsleistung ausmachen -- davon spricht auch hierzulande niemand mehr, insbesondere seitdem dieses Kriterium hier (und in anderen Ländern, z. B. Frankreich) seit 2007 -- vor der Bankenkrise -- nicht mehr eingehalten wird. Aber nun genug hiervon. Es geht um die Zukunft.

Aus dem Euroraum werden in Zukunft einige Länder austreten. Nachdem das erste Land angefangen hat, wird das ziemlich schnell mit anderen Ländern weitergehen. Dass die Euro-Verträge keine Bestimmungen zum Austritt vorsehen, ist nachrangig, wenn sich in einem Land einfach alle einig sind, irgendeine andere Währung zu benutzen. Dann endet trotzdem unbestreitbar tatsächlich die Verwendung des Euros. (In Peru beispielsweise verwenden die Menschen einfach den US-Dollar, das geht auch.) Am Ende dieses Prozesses bleiben dann die folgenden Länder übrig, die den Euro noch als Währung bzw. als alleinige nationale Währung nutzen; der Übersichtlichkeit halber führe ich die verbleibenden Länder nur mit den Nationalitätskennzeichen auf. Diese Liste ist:

Fertig? Das ist ja kürzer als gedacht. Nachdem nur noch ein Land die Währung beibehalten hat, kommt es zu drei Folgen:

  1. Deutsche sprechen zukünftig nur noch von der "Euromark", womit das eingangs erwähnte Problem gleich mit gelöst ist. Das ist sehr effizient.
  2. Sparer mit Euro-Guthaben werden gegenüber dem Dollarraum wohlhabender. Seitdem der Wechselkurs von über 1.30 US-Dollar pro Euro um 2009 herum bis heutzutage auf etwa Parität gefallen ist, steigt mit dem einzig verbleibendem Land im Euroraum der Wert dieser Währung stark an. Nun gut, die bisherigen Gewinner der Exportwirtschaft wird das nicht so sehr gefallen, aber für die Bürger, die bisher mit im EU-Vergleich sehr niedrigen Einkommen bzw. mit nur geringen Einkommenssteigerungen leben mussten, gibt es somit einen Ausgleich zur Abwechslung. Das im Niedriglohnsektor beschäftigte Fünftel (oder gar mehr?) interessiert das natürlich nicht; die konnten keine Guthaben aufbauen.
  3. Die ehemaligen Teilnehmer des Euroraums schließen sich dem Franc-CFA an. In Folge wird dieser dann als Franc-CFA Européenne bekannt werden oder kurz als Café-Franc (in Wien spricht man selbstverständlich vom Kaffeehaus-Franken).

Wird jetzt alles gut sein? In D. brechen die Exporte ein. Da die Wirtschaft vollständig auf Export ausgerichtet ist, werden nun die Einkommen stark herabgesetzt, damit die Unternehmen Kosten sparen können. Die Bevölkerung wird zur Solidarität mit den Unternehmen aufgefordert und gedrängt, nicht mehr so viel zu konsumieren. Denn dann könnten sie auch auf weitere Teile der Gehälter verzichten. Die Hälfte der Beschäftigten wird nun im Niedriglohnsektor arbeiten. Die andere Hälfte werden Staatsbedienstete sein, die zwischendurch während ihres zwölf-monatigen Sabbatzeitraums pro Jahr, nur kurz zu Hause vorbeischauen und ansonsten es sich in den wärmeren Breiten gut gehen lassen -- die noch Arbeitenden zahlen schließlich genug Steuern und Abgaben.

In den anderen ehemaligen Euroländern kommt es nicht zu dem erhofften wirtschaftlichen Aufschwung. Bei ihrem jeweiligen Austritt aus dem Euro mussten sie natürlich vorhandene Kreditbeträge weiterhin in Euro belassen. Darauf hat ein früherer Finanzminister bestanden. Diese Schulden sind nun gegenüber Dollar oder Café-Franc so stark gestiegen, dass noch nicht einmal ein Bruchteil der Zinslast getragen werden kann.

Wie geht es weiter?

Herr Mephisto hat einen geradezu mephistophelischen Vorschlag. Diesen macht er Königs im Auftrag als Berater für Dr. Faustus. Das lässt sich in Goethes Faust II genauer nachlesen. In unserer Zukunft wird das so aussehen:

Um das in den Gesteinsschichten der Böden enthaltene Methan zu nutzen, könnte es mittels des sogenannten Frackings gefördert werden. Dies kann aber das Grundwasser mit giftigen Stoffen nebenher belasten oder womöglich kleinere Erdbeben auslösen. Das trifft zwar nur ein paar Bürger, das macht also nichts. Hier wird nicht gemeckert. Aber warum tatsächlich das Erdgas auch fördern? Das kostet schließlich auch Geld. Außerdem wird aufgrund der Rezession nicht mehr so viel Energie benötigt. Also folgen wir einfach Mephistos Vorschlag und fördern das Erdgas nicht, sondern stellen Optionsscheine auf eine mögliche Förderung aus -- denn das Methan ist ja tatsächlich im Boden -- und verkaufen diese Wertpapiere an der Börse. Die insolventen Staaten und Bürger überall in Europa kommen so geradezu über Nacht zu Reichtum. Nur die schwäbische Hausfrau zweifelt den Wert solcher Wertpapiere an, und die deutsche Regierung hält weiterhin am Export-Konzept fest. Das wurde schließlich schon immer so gemacht.

Die Exporte laufen aber nicht. Niemand kann sich teure deutsche Autos, Waffen und Munition leisten. Die USA stellen ohnehin alle Waffenexporte ein, denn die Waffen werden im eigenen Land selbst alle gebraucht; was darüber hinaus fehlt und nicht selbst hergestellt werden kann, kaufen Amerikaner aus Russland und China. Damit bleiben dem Weltmarkt nur leere Verkaufsstände oder vollkommen überteuerte Waren.

Wird auch das Folgen haben? Selbstverständlich.

Aufrechte Rebellen zweifelhafter Couleur und ehrliche verbrecherische Kämpfer können sich keine Waffenkäufe mehr leisten oder finden immer nur leere Warenregale in den Läden vor. Daher werden die Kampfhandlungen in Syrien und anderswo eingestellt. Der Krieg ist vorbei. Ob jemand den Frieden haben wollte oder nicht, jetzt ist er da.

Die wenigen deutschen Bürger, die ihre hohen Euroguthaben retten konnten, wandern lieber aus. In einem verarmten Billiglohnland wollen sie nicht mehr leben. Das Sehnsuchtsziel ist der Orient. Hier wird nun angepackt, der Wiederaufbau angegangen, das Bruttosozialprodukt gesteigert. Blühende Landschaften entstehen. Ehemalige Trümmerfrauen, für die es aus den leeren Kassen der deutschen Rentenversicherung keine Zahlungen mehr gibt, stehen als geschätzte Beraterinnen den Auswanderern zur Seite.

Im Café-Franc-Raum wird unterdessen ebenfalls festgestellt, dass alle Begeisterung für die Zertifikate auf potentielles Fracking zur Erdgasförderung nichts an der Tatsache ändert, dass diese Wertpapiere vollkommen wertlos sind. Noch nicht einmal an der Wall Street will man die haben. Die Mail Spamer der "Nigeria Connection" winken ebenfalls ab; so etwas ließe sich nicht verkaufen. Europa versinkt in Mittellosigkeit und Chaos.

Mit Verachtung blickt man vom Orient auf das Armenhaus Europa. Auf Konferenzen zusammen mit afrikanischen Regierungen wird diskutiert, wie man die Europäer aus den reichen Ländern heraushalten kann. Es soll ein Grenzwall gebaut werden; Patrouillenboote kontrollieren bereits das Mittelmeer. Mexikanische Bauunternehmen errichten nun die Sperranlagen. Die Hälfte des Materials wird abgezweigt und damit die Grenze zu den USA abgeriegelt, kostenfrei für die mexikanischen und amerikanischen Steuerzahler. Die vielen Waffen im Norden sollen schließlich nicht nach Mexiko geschmuggelt werden. Wegen fehlender Aufträge -- noch nicht einmal Grenzzäune müssen errichtet werden -- stürtzt die amerikanische Bauindustrie in die Pleite. Denn auch Straßenbau ist in den USA keine Alternative: dafür gibt es keine Steuergelder, der Präsident fährt Düsenjet oder Hubschrauber, braucht also keine durch Staus zugestellte Straßen.

Ich glaube, diese Zehnjahres-Perspektive genügt. Das ist schließlich länger als jeder Fünfjahresplan.

Tuna dedicatum |  © Jürgen Schwarz – 2018-2021 | Impressum |